Das Wort „Ballade“ leitet sich ab vom mittelalterlichen „balada“ (ca. um 1200 n. Chr. wurde diese Bezeichnung geprägt). Die
„Ballade“ geht zurück auf den lateinischen Begriff „ballare“ und das okzitanische
Wort „balar“.
Beide Wörter bedeuten
„tanzen“. Ursprünglich waren „Balladen“ also Tanzlieder. Demnach werden
heutzutage noch gefühlvolle, tanzbare und melodische Lieder ebenfalls als
Balladen bezeichnet.
In der Dichtkunst
gilt die „Ballade“ als Sonderform des Gedichts, denn sie kann dramatische Elemente enthalten, mit
Dialogen wie in einem Schauspiel; sie kann epische
Elemente enthalten , d.h. Schilderungen, wie man sie aus Erzählungen kennt –
und sie kann lyrische Elemente
enthalten wie ein Gedicht; Verse und Strophen, die sich reimen, usw.
Finden sich alle drei
Elemente in einem Gedicht wieder, das zudem auch noch große Spannung aufbaut und auf einen Höhepunkt
zusteuert, in dem sich die Spannung wieder löst, haben wir es mit einer
klassischen Ballade zu tun.
Vier typische Balladen
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Friedrich Schiller |
In all diesen Balladen
findet sich das epische Element:
„Vor seinem
Löwengarten, das Kampfspiel zu erwarten, saß König Franz…“
„Die ‚Schwalbe‘
fliegt über den Eriesee, Gischt schäumt um den Bug…“
„Hat der alte
Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben…“
„Der Türmer, der
schaut zumitten in der Nacht hinab auf die Gräber in Lage…“
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Johann Wolfgang von Goethe |
„Wie weit noch,
Steuermann?“ „Noch dreißig Minuten… halbe Stund!“
„Geh! Hole dir einen
der Laken!“
„Und nun komm, du
alter Besen! Nimm die schlechten Lumpenhüllen!“
„Herr Ritter, ist
Eure Lieb‘ so heiß, wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stund, Ei, so hebt mir den
Handschuh auf!“
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Theodor Fontane |
„Von Detroit fliegt
sie nach Buffalo –
Die Herzen aber sind frei
und froh“
„Und wie er winkt mit
dem Finger
Auf tut sich der
weite Zwinger“
„Nun hebt sich der
Schenkel, nun wackelt das Bein,
Gebärden da gibt es
vertrackte;
Dann klippert’s und
klappert’s mitunter hinein,
als schlüg‘ man die
Hölzlein zum Takte“
„Ach, da kommt der
Meister!
Herr, die Not ist
groß!
Die ich rief, die
Geister,
Werd ich nun nicht
los.“
Spannung – essentieller Bestandteil von Balladen
Spannung
wird in allen Balladen auf dieselbe Weise erzeugt. Immer steuert das Geschehen
auf ein fatales Unheil hin:
Ritter Delorges muss sich durch die öffentliche Provokation der Edelfrau Kunigunde in die Arena hinab begeben, wo ausgehungerte Raubkatzen auf ihn lauern – spielt er das böse Spiel nicht mit, wird er als unritterlicher Feigling dastehen und seine Liebe zur edlen Dame in Zweifel gezogen… spielt er das Spiel mit, gilt er zwar als ritterlich und mutig, könnte für die Laune einer selbstherrlichen Zicke aber schon in wenigen Augenblicken als Löwenfutter enden…

Der Zauberlehrling, der Inbegriff leichtsinniger Selbstüberschätzung, Anmaßung und fatalen Halbwissens, entfesselt in Abwesenheit seines Meisters dienstbare Geister – aus reiner Faulheit und Bequemlichkeit. Er erinnert sich jedoch fatalerweise nicht mehr an das magische Wort, um die Geister wieder zu bannen… und das ganze Haus droht samt und sonders in Wasserfluten unterzugehen, wenn nicht bald der Hexenmeister zurückkehrt, um der Katastrophe Einhalt zu gebieten…

Historische und übernatürliche Themen
In Balladen werden
häufig historische Ereignisse verarbeitet, wie z.B. in Fontanes „Die Brücke am
Tay“. - (Der Einsturz der Eisenbahnbrücke Firth-of-Tay in Schottland, am 28. Dezember 1879, bei der 75 Menschen von der abstürzenden Eisenbahn in den Tod gerissen wurden.) Oder auch im oben erwähnten „John Maynard“. - (In der Nacht vom 8. auf den 9. August 1841 geriet der Raddampfer Erie in Brand. Von ca. 300 Passagieren überlebten nur 29 die Katastrophe.)
Entsprechend werden solche Balladen als „Historische Balladen“ bezeichnet, weil sie reale Geschehnisse aufgreifen.
Entsprechend werden solche Balladen als „Historische Balladen“ bezeichnet, weil sie reale Geschehnisse aufgreifen.
Ein weiteres Merkmal
von Balladen sind oftmals übernatürliche, magische oder gespenstische Themen,
von denen sie erzählen, wie z.B. im „Erlkönig“, „Totentanz“ oder auch im
„Zauberlehrling“. Solche Balladen nennt man „Numinose Balladen“ (numinos =
heilig, göttlich, Schauer erregend). Man unterscheidet hierbei die
„Naturmagische Ballade“, in denen die Kräfte der Natur helfend eingreifen, oder
den Menschen bedrohen, von der „Totenmagischen Ballade“, in der es meist um
Wiedergänger, Vampire und ähnliche untote Kreaturen geht, die aus Gräbern und
Grüften steigen, usw.
„Der Handschuh“ von
Friedrich Schiller ist eine „Ritterballade“, die von den Heldentaten stolzer
und mutiger Ritter erzählt.
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